Hochzeitsbräuche - Und plötzlich ist die Braut weg
Was wäre eine Hochzeit ohne die traditionellen Bräuche, die oft auf Jahrhunderte alten Entstehungsgeschichten basieren und dazu dienen, dem Paar einen glücklichen und langen Weg der Ehe zu ebnen? Doch was bedeuten die Hochzeitsbräuche eigentlich und warum wird am Freitag vor der Trauung ausschließlich Porzellan und nicht etwa Glas in einen Scherbenhaufen verwandelt?
Ganz einfach: Der ursprünglich heidnische Brauch sollte durch das Zerschlagen von Geschirr und den damit verbundenen Lärm böse Geister fernhalten. Zerbrochenes Glas hieß Unglück – daher wird nur Steingut und Porzellan verwendet.
Ein anderes weit verbreitetes und beliebtes Ritual ist die Brautentführung. Im finsteren Mittelalter noch als „Recht der ersten Nacht“ durch den Adel vollzogen, zieht die Braut heutzutage freiwillig mit Freunden durch die Kneipen. Das bedeutet, sie verschwindet plötzlich und der Bräutigam erhält einen Hinweis darauf, etwa durch einen Anruf oder ein „Entführungsfoto“. In Zeiten moderner Technik und MMS kein Problem. Die Aufgabe des Bräutigams ist es, die Spur aufzunehmen, die Kneipen abzulaufen und seine Zukünftige durch Begleichung der Zeche wieder auszulösen. Nicht selten verlangt der eingeweihte Wirt, dass der Bräutigam kleine Aufgaben erledigt, Gläser spült oder Schuhe putzt, bevor er weiterziehen darf und die nächste Kneipenstation aufsucht. Je nach Anzahl der besuchten Kneipen kann die Suche nach der entführten Braut entsprechend lange dauern und wird die Kasse des Verlobten schnell leeren.
Doch folgender Brauch hilft, das Konto wieder aufzufüllen:
Um die Sparsamkeit zu verdeutlichen, war es in der Vergangenheit üblich, die Brautschuhe mit Hilfe mühselig gesparter Pfennige zu erstehen. Als eine heutige Variante wird der vorher der Braut entwendete Brautschuh auf der Hochzeitsfeier versteigert, indem jeder geladene Gast jeweils den Betrag seines Gebotes in den Schuh legt. Dabei kommt eine ganz schöne Summe zusammen. Wichtig ist, dass der Bräutigam den Schuh als Letzter ersteigert. Das Paar erhält das gesammelte Geld und die Flitterwochen sind gerettet.
Besonders romantisch und spannend wird es, wenn zum Schluss der Festivitäten die Braut ihren Strauß hinter sich in die Menge der Single-Frauen wirft. Glücklich ist diejenige, die das Gebinde fängt – sie wird sich als nächste trauen!
Nach der kirchlichen oder standesamtlichen Zeremonie erwartet das Brautpaar eine Anstrengung von tiefgehender Symbolik. Gemeinsam müssen die zukünftigen Eheleute einen Baumstamm zersägen. Die grob gezackte Säge erschwert das Geschehen und das hat folgende Bedeutung: Der Ehealltag bringt nicht nur Glück und Freude sondern mitunter auch viel Mühe, Stress und Arbeit. Das gemeinschaftliche und erfolgreiche Zersägen des Stammes soll das Paar daran erinnern, den Herausforderungen des Lebens gleichberechtigt und kooperativ zu begegnen.
Hier ein Tipp für die Flitterwochen!